Die Arbeit im Rahmen von IPVoW (Intimate partner violence against older women) wird gemeinsam mit den gleichen Partnerorganisationen (Universität Bialystok, Universität Sheffield / Norwich, Cesis in Portugal, Institut für Konfliktforschung in Wien, Deutsche Hochschule der Polizei, Zoom e.V. in Göttingen, Akademie der Wissenschaften Budapest) wird im Rahmen eines neuen im Daphne III-Programm geförderten Projektes (Dauer: 1.2.2011 – 31.1.2013) fortgesetzt. Die Koordination liegt bei Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V.
Das Folgeprojekt zielt darauf:
a) profundere Einblicke zu bekommen in den aktuellen Umgang von Strafverfolgungsbehörden mit Fällen von Partnergewalt im Alter sowie mögliche adäquate, effiziente und effektive Interventions- und Unterstützungsmöglichkeiten durch Strafverfolgungsbehörden zu identifizieren
b) bei Strafverfolgungsbehörden und Unterstützungseinrichtungen das Bewusstsein dafür zu erhöhen, dass auch ältere Frauen Opfer von Partnergewalt werden können
c) psycho-soziale Einrichtungen zu ermutigen und dabei zu unterstützen, die Zielgruppe expliziter anzusprechen
d) Strafverfolgungsbehörden und psycho-soziale Einrichtungen in die Lage zu versetzen erfolgreicher in Fällen von Partnergewalt gegen ältere Frauen zu intervenieren
Analyse von Fallakten von Polizei und/oder Staatsanwaltschaft
Um besser zu verstehen, was passiert, wenn Polizei in Fällen von Partnergewalt gegen ältere Frauen gerufen wird und interveniert und um mögliche Beispiele von good practice zu identifizieren und zur Vorbereitung der Handbücher und Trainings für Fachkräfte wird eine Analyse von Fallakten bei Polizei / Staatsanwaltschaft durchgerführt. Zentrale Fragestellung ist hier, wie Interventionen verbessert werden können. Sofern möglich, soll auch der Übergang zu Interventionsstellen untersucht werden. Von Interresse ist hier der Modus der Fallkenntnisnahme bei der Polizei, welche Einrichtungen und Dienste in die Fälle in welcher Weise involviert sind, Kooperationen und wie dies jeweils die weitere Fallentwicklung beeinflusst. Die Analyse von 150 Fallakten ist vorgesehen.
Kompetenzerweiterung im Bereich Strafverfolgung (A): Entwicklung einer Handreichung
Auf der Grundlage von Ergebnissen von IPVoW, der Aktenanalyse und Diskussionen mit Fachkräften wird eine Handreichung für Polizei und andere Strafverfolgungsorgane, die im Bereich häusliche Gewalt tätig sind. Diese Handreichungen werden Informationen enthalten über Besonderheiten von Fällen von Partnergewalt gegen ältere Frauen, typische Probleme im Umgang mit diesen Fällen, Möglichkeiten, die Fallbearbeitung zu optimieren und mögliche Kooperationspartner und Informationsquellen.
Kompetenzerweiterung im Bereich Strafverfolgung (B): Entwicklung von Fortbildungsmaterial
Auf der Grundlage von Ergebnissen von IPVoW und der Aktenanalyse sollen Materialien für die Aus- bzw. Fortbildung von Strafverfolgungsbehörden entwickelt werden. Hier ist die Entwicklung neuer Trainingseinheiten denkbar, denkbar ist aber auch die Modifikation bestehender Curricula und Ergänzung entsprechender Inhalte um das Themenfeld Partnergewalt gegen ältere Frauen. Fort- und Ausbildungseinheiten sollten Besonderheiten von Fällen von Partnergewalt gegen ältere Frauen, typische Probleme im Umgang mit diesen Fällen und Möglichkeiten, die Fallbearbeitung zu optimieren vermitteln und über mögliche Kooperationspartner und Informationsquellen informieren
Unterstützte Öffentlichkeitsarbeit für psycho-soziale Einrichtungen für eine bessere Zielgruppenansprache für ältere weibliche Opfer von Partnergewalt
Im Rahmen des Projekts soll Material für Öffentlichkeitsarbeit (Plakate, Postkarten, Flyer, Material für Medienkampagnen) entwickelt werden, welches von psychosozialen Einrichtungen für die Ansprache älterer Frauen aber auch der Öffentlichkeit allgemein verwendet werden kann. Es werden jeweils individuell anpassbare und von den Einrichtungen verwendbare Vorlagen entwickelt. Die wesentlichen Botschaften, die in diesem Material vermittelt werden sollten sind, dass auch ältere Frauen werden Opfer von Partnergewalt, es auch für ältere Frauen Hilfe gibt, welche Art von Hilfe verfügbar ist, dass ältere Frauen nicht dafür verantwortlich sind, was ihnen passiert und dass ältere Frauen Respekt und ein Leben ohne Gewalt verdienen.
Kompetenzerweiterung für psycho-soziale Einrichtungen: Entwicklung einer Handreichung
Auf der Grundlage der Ergebnisse von IPVoW und der Aktenanalyse soll eine Handreichung für psycho-soziale Einrichtungen entwickelt werden, die mit Fällen von Partnergewalt im Alter arbeiten (z.B. Frauenhäuser, Interventionsstellen, Notrufe, Frauenberatungsstellen, Opferberatungsstellen).
Die Handreichung wird Informationen enthalten zu Besonderheiten von Fällen von Partnergewalt gegen ältere Frauen, besonderen Bedürfnisse der Gruppe, Möglichkeiten, die Fallbearbeitung zu optimieren sowie zur Bedeutung von übergreifenden Kooperationen zur Zielgruppenansprache und Fallbearbeitung. Weiter werden relevante Informationen für die Fallbearbeitung (z.B. Finanzierungsmöglichkeiten und Strukturen von Pflege, finanzielle Sicherung im Alter, medizinische Aspekte) und mögliche Kooperationspartner und Informationsquellen benannt.
Ansprechpartnerinnen: Barbara Nägele, Nils Pagels, Sandra Kotlenga