Viktimisierung älterer Menschen

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In Bezug auf das Phänomen Gewalt im Alter stehen wir für die Verknüpfung verschiedener wissenschaftlicher Zugänge: Wir machen Ansätze aus der Geschlechterforschung, aus den Bereichen familiäre Gewalt und besonders Gewalt gegen Frauen unter Einbeziehung gerontologischer Erkenntnisse nutzbar und wir verfolgen das Interesse, den Austausch von bislang unverbundenen Themenfeldern und Professionen zu fördern. Nicht die Skandalisierung, sondern eine Konzentration auf besonders problematische Aspekte der Viktimisierung Älterer bei gebotener Differenzierung und Interdisziplinarität sind unsere vordringlichen Ziele. Dabei betrachten wir Gewalt als prozessuales, interaktives Geschehen und interessieren uns für Auslöser und Entwicklungsdynamiken, verstehen aber Gewalt stets auch im Kontext gesellschaftlicher Machtverhältnisse und Strukturen und fragen nach der Relevanz der gesellschaftlichen Verfasstheit von Altern und Familie, der Rahmenbedingungen von familialer Pflege und des Geschlechterverhältnisses für das Viktimisierungsgeschehen im Alter.


Unsere Beschäftigung mit dem Thema Gewalt gegen Ältere geht auf eine etwa 10-jährige Forschungstätigkeit in enger Kooperation mit Prof. Thomas Görgen, jetzt Deutsche Hochschule der Polizei in Münster zurück. Erfahrungen von Mitarbeiterinnen von Zoom e.V. in der wissenschaftlichen Begleitung des vom BMFSFJ geförderten Modellprojekts „Gewalt gegen ältere Menschen im persönlichen Nahraum“ (1998 bis 2001) und Forschungsarbeiten zu sexualisierter Gewalt im Alter (2004) zeigten die Relevanz des Themas und die Notwendigkeit eines interdisziplinären Blicks. Zuletzt  beteiligten wir uns in Kooperation mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. an der Durchführung und Auswertung einer umfangreichen Interviewstudie zu Gewalt in Pflegebeziehungen älterer Menschen im Rahmen des BMFSFJ geförderten Forschungsprojektes „Kriminalität und Gewalt im Leben alter Menschen“ (2005 bis 2008).


Gemeinsam mit der Deutschen Hochschule der Polizei koordinieren wir das neue Aktionsprogramm des Bundes „Sicher leben im Alter“ (SiliA) (2008 bis 2010) und freuen uns, die Umsetzung von wesentlichen in den vorangegangenen Forschungsprojekten generierten Erkenntnissen in die Praxis begleiten und koordinieren zu können. Zugleich haben wir in der gleichen Konstellation seit Dezember 2008 die Möglichkeit, im Rahmen des EU-geförderten DAPHNE-Programms Partnerschaftsgewalt im Alter in einem internationalen Forschungsprojekt intensiv untersuchen zu können und nun auch in einem Folgeprojekt noch offene Fragestellungen untersuchen und vor allem die gewonnenen Erkenntnisse für die Praxis in Form von Handreichungen, Schulungseinheiten und Material für Öffentlichkeitsarbeit nutzbar machen zu können (Projekt „Mind the Gap!“).


Aus unserer Auseinandersetzung mit Gewaltphänomenen und anderen Krisensituationen im Alter sowie mit Interventions- und Präventionsstrategien resultiert auch unser Interesse an Beratung älterer Menschen allgemein und telefonischen Beratungsangeboten im besonderen.


Aktuelle Projekte zum Thema Gewalt im Alter:

 

Mind the Gap! Im­pro­ving in­ter­ven­ti­on in in­ti­ma­te part­ner vio­lence against older women

Das Fol­ge­pro­jekt zu In­ti­ma­te Part­ner Vio­lence against older Women (IPVoW) wurde von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on be­wil­ligt. Ziel des Pro­jekts ist es, auf der Grund­la­ge der Er­geb­nis­se von IPVoW und von Po­li­zei­ak­ten­ana­ly­sen Ma­te­ria­li­en zu ent­wi­ckeln, die eine ver­bes­ser­te Ziel­grup­pen­an­spra­che und Fall­be­ar­bei­tung von re­le­van­ten Ak­teu­ren er­mög­li­chen.

 

Aktionsprogramm Sicher leben im Alter (SiliA)

Zoom e.V. koordiniert und begleitet gemeinsam mit der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster das Aktionsprogramm das BMFSFJ „Sicher leben im Alter“ (2008 bis 2010) mit den thematischen Schwerpunkten täuschungsbasierte Eigentums- und Betrugsdelike, Todesursachenfeststellung, Gewalt in der Pflege älterer Menschen und Gewalt in Partnerschaften älterer Menschen.

 

Abgeschlossene Projekte zum Thema Gewalt im Alter:

 

IPVoW Im­pro­ving in­ter­ven­ti­on in in­ti­ma­te part­ner vio­lence against older women

In die­sem EU-?ge­för­der­ten in­ter­na­tio­na­len For­schungs­pro­jekt wird von sie­ben Or­ga­ni­sa­tio­nen in sechs Län­dern die Si­tua­ti­on äl­te­rer Frau­en als Opfer von Part­ner­ge­walt in den Blick ge­nom­men (2009 bis 2010).

 

Kriminalität und Gewalt im Leben alter Menschen (KuGiLaM)
Zoom e.V. kooperiert mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in einem BMFSFJ-geförderten Forschungsprojekt zu Viktimisierungserfahrungen älterer Menschen in alltäglichen Wohn- und Lebensumfeldern und war dabei primär mit der Durchführung und Auswertung einer Interviewstudie zu Viktimisierungen in häuslichen Pflegearrangements befasst.

 

Wehrlos im Alter? - Strategien gegen Gewalt in engen per­sön­lichen Be­zieh­ungen äl­ter­er Men­schen

Zoom e.V. führte gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. im Juni 2006 eine vom BMFSFJ geförderte bundesweite Fachtagung und ein Expertenforum zu Strategien gegen Gewalt in engen persönlichen Beziehungen älterer Menschen durch.

 

Sex­uelle Vikti­misier­ung im Alter
Sexuelle Viktimisierung im Alter wurde im Jahr 2004 in einem in Kooperation mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. durchgeführten und vom Niedersächsischen Landesamt für Zentrale Soziale Aufgaben geförderten praxisorientierten Forschungsprojekt unter der Fragestellung betrachtet, welche Erfahrungen einschlägige Institutionen aus dem Gewaltschutzbereich bezüglich von Fällen sexueller Viktimisierungen haben und wie sie mit solchen Fällen umgehen.

 

Ein Sen­ioren­tele­fon für Deut­schland
Mög­lich­keiten eines niedrig­schwell­igen tele­fon­ischen Be­ratungs­an­ge­bots für ältere Men­schen wurden mit Unter­stütz­ung des Bundes­minis­teriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen einer Be­darfs­er­kund­ung und eines Ex­perten­kollo­quiums aus­ge­lotet (2002 bis 2003).

 

Ansprechpartnerin: Barbara Nägele